In dieser Rubrik widmen wir uns Geschichten, die über gewöhnliche Best-Practice-Beschreibungen hinausgehen. Wir wollen damit zeigen, dass erfolgreiche Klimaschutzmaßnahmen nicht nur bei der jeweiligen Maßnahme beginnen und enden, sondern einen breiteren gesellschaftlichen Nutzen mit sich bringen. Es geht uns darum Machbarkeit zu demonstrieren, indem wir das Abstrakte auf eine Handlungsebene herunterbrechen. Wir wollen Geschichten erzählen, die eine Vision haben, Mut ausstrahlen, authentisch sind und Lust machen nachgeahmt zu werden. In regelmäßigen Abständen wird die folgende Themenreihe um ein neues Erfolgsbeispiel, das eine besondere Geschichte erzählt, erweitert.

Teil 2: Krapoldi im Park

Quelle: Emanuel Kaser

Worum es geht: Kasperl, Akrobatik, Clownerie, Zirkus und Straßenkunst – „Krapoldi im Park“ ist ein buntes Fest für die ganze Familie. Auch wer keine Vorstellung besucht, kann bei einem Spaziergang durch den Rapoldipark in eine fantastische Welt eintauchen: bunte Fahnen wehen im Wind, Moosgesichter schauen von Bäumen herunter, ein lebendiger Tisch geht vorbei – seinen Stuhl im Schlepptau, die Sonne scheint und überall lachende Menschen. Von 31. August bis 5. September 2021 fand das Festival heuer zum zweiten Mal statt.

Klima wird groß geschrieben: Bei der Premiere im letzten Jahr wurde das Festival bereits als „Green Event Tirol basic“ eingestuft, heuer folgte der nächste Schritt und Aufstieg. Das Klimabündnis Tirol und der Umwelt Verein Triol zertifizierten die Veranstaltung als „Green Event Tirol„. Vom Catering mit saisonalen, regionalen, fairen und Bio-Produkten über stromsparende Ton- und Lichttechnik, eine zentral gelegene Location und Mehrweggebinde bis zum Fokus bei der Beschaffung auf Regionalität, Umweltgütesiegel und gemeinnützige Betriebe. Auf Give-Aways wurde verzichtet, alle Akteur:innen wurden in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände untergebracht. Unter dem Motto „Umwelt-Krawall“ gab es an einem Tag am gesamten Festivalgelände eine ökologischen Erlebnismeile zu den Themen Ressourcen, Mobilität, Natur und Umwelt, Bewegung und Ernährung. Geboten wurden u.a. Vorträge wie „Gemeinsam Garteln in der Stadt“, Spiele und Workshops zu Abfallfragen, ein Fahrradcheck, eine Kleidertauschleine, ein Näh- und Repaircafe sowie Anleitungen, Tipps und Tricks von der Re-Use-Plattform ‘noamol’. 

Warum das Krapoldi-Festival so gut wirkt

Ungewohntes Terrain: Wenn Sie sich mit Ihrer Familie zu einem Zirkus-Festival aufmachen, dann wird Klimaschutz höchstwahrscheinlich nicht gleich ihre erste Assoziation sein. Muss es auch nicht. Beim Krapoldi-Festival ist es inhaltlich mit dem „Umwelt-Krawall“ und organisatorisch als Green Event gelungen, die vielfältige Ansatzpunkte im Klimaschutz niederschwellig mitzutransportieren.  

Humor öffnet Herz und Hirn: Klimaschutz ist oft ein trockenes, sachliches Thema. Mit einer gehörigen Brise Spaß und Freude an der Sache, bleiben aber auch Tipps und Lösungsansätze gegen die Klimakrise wesentlich besser hängen.   

Mitten in der Stadt, mitten im Grünen: Viele Festivals finden am Ortsrand statt – samt Autoanreise und riesigem Parkplatz, der gleich zu Beginn ins Auge sticht und auch das letzte ist, das man vor der Abreise wieder sieht. Das Krapoldi-Festival fand dagegen mitten in Innsbruck statt. Im Rapoldipark, der das ganze Jahr über als Treffpunkt für die ganze Familie genutzt wird. Zu Fuß, mit dem Rad oder Öffis optimal erreichbar. 

Weit gefasste Zielgruppe: Wie sagt es Clown Herbert so schön: „Zirkus ist für alle da – für das Kind im Menschen“. 

Wie Ihre Gemeinden diese KlimaStory nutzen kann

  • Green Events: Immer mehr Veranstalter:innen achten bei der Organisation ihrer Events auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Initiative „Green Events Austria“ des BMK ist die ideale Plattform.
  • Klima-Schwerpunkt bei Veranstaltungen: Bieten auch Sie Vereinen, Initiativen oder nachhaltigen Betrieben bei Dorf- oder Stadtfesten oder anderen Events eine Bühne für ihre klimafreundlichen Ideen, Aktivitäten und Produkte.    
  • Bespielen Sie öffentliche, zentral gelegene Freiräume: Setzen Sie bei der Wahl der Location für Veranstaltungen auf fußläufig, mit dem Rad und Öffis gut erreichbare Orte im Dorf- oder Stadtzentrum. 

Teil 1: Das Projekt „Paris – Baden“

Quelle: Kairos, ein guter Tag hat 100 Punkte

Worum es geht: 20 Familien aus Baden bei Wien machten im Frühjahr 2021 einen Monat lang den Praxistest. Sie haben ausprobiert, ob die Klimaziele von Paris auch schon 2021 im Badener Alltag erreichbar sind. Die Teilnehmer:innen konnten, mit Unterstützung des Klima- und Energiereferates, unterschiedliche Angebote testen, um herauszufinden, wo ihr größter Hebel in der CO2-Einsparung liegt. Sie fuhren mit dem Lastenrad, probierten das bea-Carsharing, konnten ein E-Auto nutzen, haben einen Energieberater des Landes NÖ ins Haus geholt, kochten auch vegan, kauften regionale und biologische Lebensmittel ein, veränderten ihre Urlaubsplanung und tauchten so in die Welt eines klimafreundlichen Alltags ein. 

Video zum Projekt

Auszeichnung als nachhaltiges Bildungsprojekt 2021 in der Kategorie „Transformation“ (1. Platz)

Die Geschichte hinter der Geschichte: Von Wissenschaftler:innen sowie Ökonominnen und Ökonomen weltweit wird die Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 °C als größte Herausforderung der Gegenwart gesehen. Die Staatengemeinschaft hat 2015 bei der Klimakonferenz in Paris beschlossen, diese Herausforderung anzunehmen. Bis 2050 müssen wir nahezu ohne Treibhausgasemissionen leben. Aber was heißt das schon jetzt für den Alltag in unseren Gemeinden/Städten? Wie können Einzelpersonen einen Beitrag leisten und wie groß ist dieser? Und welche Hebel braucht es auf politischer Ebene?

Warum die KlimaStory „Paris – Baden“ so gut wirkt

Menschen im Mittelpunkt: Oma und Opa, Mama und Papa, Sohn und Tochter, Freund und Freundin – 20 Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen waren in diesem Experiment involviert. Es hat gemenschelt – und das ist eines der Erfolgsrezepte. Jede und jeder konnte sich hineinversetzen und mitfühlen.

Alltagsnah statt abstrakte Begriffe: 1,5 Grad-Ziel, CO2-Einsparungen, Klimaneutralität – beim Thema „Klima“ stehen sehr oft komplizierte Begriffe, Fachausdrücke und Mengenangaben, unter denen sich kaum wer etwas vorstellen kann, im Mittelpunkt. Bei dieser KlimaStory ging es zwar auch genau darum, aber erst in zweiter Reihe. Der Alltag und die Lebensbereiche Mobilität, Ernährung, Konsum, Strom, Wärme, Haus und Urlaub wurden in den Vordergrund gerückt. 

Mitmach-Effekt: Die Basisanalyse wurde mit der App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ durchgeführt. Diese liefert einen schnellen Überblick, wo man steht, wer am meisten COverbraucht und wo der große Hebel für eine Klimagasreduktion liegt. Interessierte können ihre CO2-Bilanz auch außerhalb des Projektes bestimmen, die kostenfreie App ist sowohl für Android als auch iOS verfügbar. 

Wie Ihre Gemeinden diese KlimaStory nutzen kann

  • Suchen auch Sie Menschen, die „Paris – Ihre Gemeinde“ testen wollen: Es müssen nicht 20 Familien sein. Vielleicht ist es eine Person oder auch mehrere. 
  • Nutzen Sie die App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“
  • Berichten Sie in Ihren Gemeindemedien: Auf der Website und/oder in der Gemeindezeitung. 

Kontakt und weitere Infos zum Projekt

Klima- und Energiereferat der Stadtgemeinde Baden
Tel.: +43 2252/86800-233, energiereferat@baden.gv.at
Klima- und Energiemodellregion Baden: www.facebook.com/klima.energie.baden